Kurskorrekturen mit Herz

Ende 2014 fragte mich mein Coach Sabine Dinkel, welchen beruflichen Schwerpunkt meine zukünftige Selbständigkeit denn haben würde. Ich antwortete, “ich organisiere und strukturiere gern, bin Troubleshooter mit Leidenschaft. Also werde ich weiter das administrative Chaos von Menschen beseitigen. Nur eben freiberuflich“. Sabine hob leicht die Augenbrauen, lächelte und fragte mich, wieso ich gerade das, was ich so lange angestellt getan hatte, weiter als Selbständige ausüben wollte. “Nun, weil ich das schon mein Leben lang und ganz okay gemacht habe”, war meine Antwort.

Sie fragte nicht weiter und wir gingen zum nächsten Thema über. Im Laufe des weiteren Coachings erwähnte sie lediglich, dass sich neue Ideen, Perspektiven meistens erst mit der Zeit heraus kristallisieren würden. Ein Prozess, für den ich weder bereit war, noch auf den ich geduldig warten wollte. Ich nickte zustimmend, aber ehrlicherweise war mir zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht klar, was ich denn alternativ tun sollte. Tatsächlich war doch meine gesamtes (nicht nur berufliches) Leben davon geprägt, aus Scheiße Kakao zu machen sowie im Hintergrund Brände zu löschen. Die logische Schlussfolgerung daraus: das kann ich und das will ich machen. So läuft der Hase.

Aus dieser Idee heraus gründete ich im März 2015 Kick Chaos Go Kosmos. Diverse Institutionen wie z. B. die Agentur für Arbeit, der Gründungsberater, das Finanzamt verlangten eine relativ sachliche Beschreibung meiner Dienstleistung.

Da der Kosmos aber auch Bestandteil meines Firmennamens ist, ergeben sich bis heute ganz automatisch Fragen in Richtung Esoterik und Spiritualität. Und ja, ich bin zwar in erster Linie Dienstleister. Aber mir war von Anfang an wichtig, zu kommunizieren, dass es bei all dem Pragmatismus (aufgeräumter Arbeitsplatz, strukturierte Arbeitsweise, organisierter Tagesablauf, etc.) in erster Linie um einen zufriedenen bis glücklichen Menschen in seinem (manchmal chaotischen) Universum geht.

Interessanterweise griff dieses Thema bei mir persönlich sehr spät. Ich hatte Aufträge, das Feedback meiner Kunden bestätigte mich, mein kleiner Kutter lief ziemlich rund. Allerdings merkte ich auch, dass mein eigenes Herz keineswegs im Einklang mit meinem Verstand war. Da ruckelte es nämlich mächtig im Karton. Ich fühlte, dass der (frei-)berufliche Weg, den ich eingeschlagen hatte, nicht so richtig zu meiner Firmenphilosophie passte. Was tat ich denn da? War das die Veränderung, die ich mir so sehr gewünscht hatte? Der berühmte Sprung aus dem Hamsterrad; hatte es funktioniert? Nö!

Ich hatte mir sehenden Auges einen neuen Käfig gebaut. Fein säuberlich das Rad neu geölt und strampelte freiwillig bereits wieder meine endlosen Kilometer ab. Eine übermächtige Portion Verstand ließ den Motor schnurren. Kannte ich bereits. Sollte aber nicht so sein. Es wurde dringend Zeit, kurz auszusteigen und das Gebilde von außen zu betrachten.

Neben dem Organisieren, Wegarbeiten, Aufbauen, Umbauen, etc. bin ich ein relativ guter Netzwerker und liebe es, Menschen und deren Interessen zu verknüpfen. Ich recherchiere super gern und hüpfe  (zum Leidwesen meiner Familie und Freunde) neugierig von Blume zu Blume, um Informationen zu sammeln und aufzusaugen. Einziger Knackpunkt: es darf nicht zu sehr ins Detail gehen. Dann bin ich schnell gelangweilt.

Für solche Menschen gibt es sogar einen tollen Fachausdruck. Man bezeichnet sie als Scanner. Ein dickes Danke hier an die liebe Sabine, die mir in diesem Zusammenhang auch den Begriff Hochsensibilität näher brachte. Dazu aber mehr in einem separaten Post.

Ich begriff, ich musste diesen, meinen Leidenschaften wieder mehr Aufmerksamkeit schenken, damit auch mein Herz wieder eine Rolle spielen durfte. Und konnte. Geahnt hatte ich es schon lange (siehe Coaching). Doch erst jetzt konnte ich das erste Mal den Kurswechsel wirklich definieren. Weg vom Support, vom reinen Organisieren, Aufräumen und Reagieren. Hin zum Kreativ sein, Aktiv sein. Symbiosen schaffen, den berühmten Mehrwert erkennen und kreieren.

Der erste Schritt war vor Kurzem die Anmeldung zu einem Fernstudium als Social Media Managerin. Ein spannendes Gebiet und eine tolle Grundlage für meine Arbeit als Knotenknüpferin (auch im www). Die Ausrichtung „Community Manager“ steht fest und die Studienhefte für das erste Halbjahr sind bereits da. So drücke ich also tatsächlich nach über 25 Jahren wieder die Schulbank.

Natürlich arbeite ich weiter als Chaoskickerin. Vor allem aber mit intensiver Rückbesinnung auf das, was mir von Beginn an so unglaublich wichtig war: ChaosManagement mit Herz!

 

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